Im Mai 2026 ist bei Konstanz University Press das Buch Quiltrologie. Straßenhunde in der chilenischen Literatur erschienen, die aus einem Forschungsaufenthalt am Merian-Zentrum MECILA in São Paulo, hervorgegangen ist. Gegenstand des Buchs sind Straßenhunde – in Chile auch als quiltros bekannt -, die in lateinamerikanischen Städten allgegenwärtig sind und dennoch meist unbeachtet bleiben. Die vorligende Studie möchte dies ändern.
Wenn Menschen und Hunde als companion species betrachtet werden, geht es zumeist um Formen der Koexistenz im häuslichen Raum. Die Studie zeigt anhand des für diesen Zweck geprägten Begriffs der »Kontaktszene«, dass eine solche Beschränkung die tatsächlich beobachtbare Vielfalt der Formen des Zusammenlebens mit nicht domestizierten Hunden unberücksichtigt lässt. »Quiltrologie« entwirft ein literarisches Panorama, das von flüchtiger Begegnung über gemeinsames Spiel, geteilte Nahrung und gattungsübergreifende Meutenbildung bis hin zur Trauer um verstorbene Gefährten reicht. Die Studie, die neben Literatur auch Film, Kunst und Populärkultur mit einbezieht, eröffnet so einen neuen Blick sowohl auf hündische wie auch auf menschliche Lebensformen am Rand der sozialen Sphäre. In den untersuchten Kontaktszenen werden nicht nur die Aktualität und die politische Dringlichkeit der Einbeziehung von Straßenhunden für ein zeitgemäßes Verständnis von (lateinamerikanischer) Kultur deutlich, sondern auch mögliche Konsequenzen für die literaturwissenschaftliche Praxis: Der Autor proklamiert die Transformation der Philologie zu einer Quiltrologie, die die Literaturwissenschaft ›auf die Straße‹ bringt.
Weitere Informationen zu der Publikation, die auch in einer Open Acess-Version zugänglich ist [in Kürze verfügbar]: (vgl. Verlagswebsite):
Jörg Dünne
Quiltrologie. Straßenhunde in der chilenischen Literatur
Konstanz University Press, 2026
253 S., 28 überw. farb. Abb., geb., Schutzumschlag, 12,5 x 21 cm
ISBN 978-3-8353-9197-0