Kulturelle Gründungsakte

Kulturelle Gründungsakte

Projektbeschreibung

Ausgangspunkt des Projekts ist die Annahme, dass kulturelle Gründungsakte nicht einfach Ereignisse sind, die auf autonomes individuelles Handeln oder souveräne politische Entscheidungen zurückzuführen sind, sondern deren Erfolgsbedingungen in einem kultur- und medienwissenschaftlichen Rahmen beschrieben werden müssen. Es lässt sich vermuten, dass die Entstehung solcher Bedingungen besonders in der Frühen Neuzeit greifbar wird, auf die sich der Workshop konzentriert. In Konfrontation komplementärer Beschreibungsmodelle der Text- und Medienwissenschaften sowie der Anthropologie und der Geschichtswissenschaft sollen die Entstehungsbedingungen kultureller Gründungsakte auf drei miteinander verknüpften Ebenen untersucht werden: der Ebene ihrer Räumlichkeit, ihrer Medialität sowie ihrer Narrativität.

1) Gründungsakte von/im Raum: Räume stellen nicht unveränderliche physische Bedingungen menschlicher Erfahrung dar, sondern kulturelle Konstrukte. Auch geographische Räume werden erst durch bestimmte kulturelle Praktiken der Raumordnung erschließbar, die sich in der Frühen Neuzeit insbesondere in der Konfrontation der Kulturräume Europas und Amerikas im Zuge der Entdeckung und Kolonialisierung der ‚Neuen Welt’ manifestieren und zum Schauplatz der Durchsetzung und Ablösung sozialer Gründungsakte avancieren.

2) Mediale Gründungsdispositive: Kulturelle Gründungsakte sind im Kontext geographischer Raumerschließung stets an die Entstehung und Durchsetzung medialer Praktiken und Dispositive gebunden. Auf der Grundlage eines kulturpragmatischen Medienbegriffs gilt es hier, ausgehend von konkreten medialen Techniken (v.a. der Berechnung, Vermessung und Visualisierung der Welt) eine ‚Mediengeschichte des Raums’ zu rekonstruieren, innerhalb derer mediale Gründungsdispositive wirksam sind.

3) Gründungsnarrative: Kulturelle Narrative sind nicht ausschließlich als Erzähltexte im engeren Sinne, sondern als umfassendere symbolische Ursprungs- oder Gründungsszenarien aufzufassen, die mediale Dispositive dazu benutzen, um kulturelle Räume zu instituieren. Zu untersuchen ist hier insbesondere, inwiefern die durch sie vollzogenen Akte symbolischer Grenzziehung als Ursprung sozialer Formationen und deren Selbstbeschreibung fungieren.

 

Veranstaltungen

Workshop Kulturelle Gründungsakte

Internationaler Workshop (Konstanz/München)

 

Programm Teil I (Konstanz)

 

Montag, 9.6.2008

15.00 – 17.00 Uhr
Begrüßung und Einführung

I Gründungsakte von/im Raum

Jörg Dünne: Entdecken, Erfinden, Besitzen: Amerikanische Gründungsakte
Ernesto Montenegro: Les premières fondations de villes sur le continent américain

17.00-17.30 Uhr
Pause

17.30-19.30 Uhr
Luca Pes: Venice and Rome

II Mediale Gründungsdispositive

Kirsten Kramer: Geometrale Visualisierungstechniken als mediale Gründungsdispositive
Wolfgang Schäffner: Ansätze einer Mediengeschichte des Punktes

 

Dienstag, 10.6.2008

9.00 – 11.30 Uhr

III Gründungsnarrative

Christian Moser: Das Barbarische als alternative Form der Kulturstiftung
Kirsten Mahlke: Helden und Verräter - zwei Gründungserzählungen Mexikos

Abschlussdiskussion

9.-10.6. 2008, ab 15.00 Uhr
Universität Konstanz, Raum V 901

 

Programm Teil II (München)

 

Prof. Frank Lestringant (Université Paris IV Sorbonne): L’insularité fondatrice: Saint-Exupéry, Michaux, Calvino, Glissant

10.06. 2008, 19.00 Uhr
Ludwig-Maximilians-Universität München, Französische Bibliothek, Institut für Romanische Philologie, Ludwigstraße 25

Abendvortrag Frank Lestringant (Paris):

L’Insularité fondatrice: Saint-Exupéry, Michaux, Calvino, Glissant


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