Forschung

Die katastrophische Feerie

Die katastrophische Feerie. Geschichte, Geologie und Spektakel in der modernen französischen Literatur.
Konstanz: Konstanz University Press 2016.
314 Seiten
€ 34,90
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Leseprobe 

Vulkanausbrüche und Erdbeben auf dem Pariser Montmartre? Die Studie zeigt, wie die französische Literatur spektakuläre Szenen aus der Erdgeschichte in die Moderne projiziert.
Das Buch verdankt sich der Begegnung zwischen populärer Theatertradition und geologischen Spekulationen zur Erdentstehung in der französischen Literatur der Moderne, die nur auf den ersten Blick zufällig erscheint. Die Feerie, eine im Paris der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ungeheuer beliebte Theatergattung, trifft dabei auf die Katastrophentheorie des Naturwissenschaftlers Georges Cuvier und ihre populärwissenschaftlichen Darstellungen in spektakulären Szenen aus der Tiefenzeit der Erde.
Das Aufeinandertreffen von Feerie und Katastrophe ist mehr als nur ein Kuriosum der Literatur- und Wissensgeschichte: Dies liegt vor allem an einer Reihe bekannter Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, von Jules Verne über Gustave Flaubert bis hin zu Louis-Ferdinand Céline, die allesamt nicht nur Liebhaber und Autoren von Feerien waren, sondern auch in ihren Romanen je unterschiedliche Verbindungen zwischen spektakulären Tableaus und erdgeschichtlichen Katastrophen herstellen. Am Beispiel kulturtheoretischer Schriften von Walter Benjamin bis zu Michel Foucault und Gilles Deleuze wird darüber hinaus deutlich, dass der spektakuläre Katastrophismus nicht nur die literarische Imagination bis weit ins 20. Jahrhundert hinein geprägt hat, sondern in bislang unerkannter Weise auch allgemeine Modelle des Denkens von Historizität. Ergänzt wird das Buch um zahlreiche, größtenteils erstmals in deutscher Sprache präsentierte Dokumente aus Theaterfeerien und populärwissenschaftlichen Katastrophenszenarien, die eine alternative wissens- und imaginationsgeschichtliche Genealogie dessen vor Augen führen, was man üblicherweise die ästhetische und epistemologische Moderne nennt.

Literatur & Raum

Handbuch Literatur & Raum.
Hg. v. Jörg Dünne u. Andreas Mahler.
Berlin: De Gruyter 2015.
590 Seiten
€ 149,95
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Raum und Literatur sind untrennbar verbunden: Nicht nur gibt es Räume in der Literatur, sondern Literatur macht Raum, konstruiert Raum, ist selbst Raum. Im Gegensatz zu den bisher vorliegenden transdisziplinären Versuchen wissenschaftlicher Erfassung von Räumlichkeit geht das Handbuch Literatur & Raum synoptisch wie systematisch von spezifisch literaturwissenschaftlichen Überlegungen zur Räumlichkeit als seinem disziplinären Ausgangspunkt aus, um diese sodann hinsichtlich der spezifisch literarischen Leitkategorien 'Reflexivität' und 'Produktivität' zu erproben: Systematisch wird der Zusammenhang von Literatur und Raum dabei anhand von Modellen bzw. Theorien dargestellt, analytisch anhand von Einzelparadigmen aus unterschiedlichen Literaturen sowie Kulturen von der Antike bis zur Gegenwart erkundet und erprobt. Auf diese Weise leistet das Handbuch nicht nur erstmalig eine umfassend systematische Darstellung des Problemfeldes aus literaturwissenschaftlicher Sicht, sondern es liefert zudem eine Bestandsaufnahme literarischer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten von Räumlichkeit und darüber hinaus auch mit den in Texten konkret modellierten Räumen aus historischer Perspektive.

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