Kannibalen - Reiseliteratur und Fremdheit in der Frühen Neuzeit

Do, 12-14, Raum  LG 4, D 05
Semesterapparat Nr. 1081


Kursbeschreibung:
Kolumbus’ Reisen in die Karibik zeichnen sich nicht nur durch die sog. „Entdeckung“ des amerikanischen Kontinents aus, sondern auch durch die zunächst mehr oder weniger zufällige „Erfindung“ des Kannibalen, die aber bald zu einer wirkungsmächtigsten Kategorien im Umgang mit dem Fremden in der Frühen Neuzeit wird: Die Frage ist dabei weniger, ob es Kannibalismus wirklich gibt / gegeben hat, sondern welche Funktionen er in den europäischen ‚Verhandlungen’ mit kultureller Alterität einnimmt. Neben der Lektüre von ausgewählten historiographischen und fiktionalen Texten von Kolumbus, Amerigo Vespucci, Hans Staden, Jean de Léry , Michel de Montaigne und William Shakespeare sollen auch frühneuzeitliche Stiche und Karten in diese Rekonstruktion mit einbezogen werden, in denen Kannibalendarstellungen eine teils höchst prominente Rolle spielen. Allgemeine kulturtheoretische Überlegungen zum Kannibalismus bilden den Rahmen dieser historischen Überlegungen, die u.U. in einem Folge-Seminar bis hin zu Kannibalismus-Darstellungen in der Kultur der Gegenwart verlängert werden sollen.

Zur Einführung: Lestringant, Frank: Le cannibale. Grandeur et décadence. Paris: Perrin 1994 [engl. Übersetzung: Cannibals. Cambridge/Oxford: Polity Press 1997].

 



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