Borderlands

Do, 12-14, LG 4, D02 (Studium Fundamentale, gemeinsam mit Prof. Ilka Saal)

Kursbeschreibung:

Das Seminar widmet sich der Untersuchung von Grenzzonen, d.h. den Übergangsräumen, die überall dort entstehen, wo sich zwei oder mehr Kulturen begegnen. Es handelt sich dabei nicht nur um Orte der Begegnung von verschiedenen Ethnien und Sprachen, sondern oft auch um Orte mit unterschiedlichem wirtschaftlichem Wohlstand, unterschiedlichen sozialen Praktiken, religiösen Traditionen, ja sogar Arten der Geschichtsschreibung, was tiefe Spannungen und Konflikte hervorruft. Gleichzeitig bringen Grenzzonen jedoch ihre eigene, dritte Kultur hervor: eine Übergangs- oder Schwellenkultur. Dazu meint die in den USA lebende mexikanische Schriftstellering Gloria Anzaldua: “It is not a comfortable territory to live in, this place of contradictions, but it is home.”

Mit besonderem Schwerpunkt auf Fallstudien von der Grenze zwischen den USA und Mexiko wird es in dem Kurs um die verschiedenen Spannungsbeziehungen in dieser speziellen Grenzzonen-Kultur sowie um die Frage gehen, wie sie zur Bildung der Identität ihrer Einwohner beitragen. Zur Sprache kommen werden dabei auch die verschiedenen Strategien der Bewohner von Grenzzonen, mit diesen Spannungen zurecht zu kommen sowie ihre Versuche, sie im Hinblick auf das zu überwinden, was Anzaldua eine neues ‚mestizisches‘ Bewusstsein nennt. Es wird zu diskutieren sein, wie dieses Bewusstsein des mestizaje, das unauslöschlich von der Kolonialgeschichte und ihrer Gewalt gezeichnet ist, seine Entsprechung in einer mestizischen Ästhetik in Literatur, Film, Musik, Performance und Photographie findet.

Gegenstand der Analyse können im Rahmen des Seminars u.a. Texte wie z.B. Anzalduas autobiographische Studie Borderlands (1986), Naomi Iizukas Drama Skin (1995), Roberto Bolaño’s Roman 2666 (2004), Performances von Guillermo Gómez-Peña sowie die Filme Lone Star (1996) von John Sayles (1996) und Babel (2006) von Alejandro González Iñarritu sein. Um die Implikationen von mestizischen Identitäten und Ästhetiken besser verständlich zu machen, werden auch verschiedene theoretische Ansätze zur Konzeptualisierung von borderlands, border thinking, Heterotopie, Hybridität, Heteroglossia und mestizaje diskutiert werden, wie sie von Trinh Minh-ha, Walter Mignolo, Michel Foucault, Homi Bhabha, Mikhail Bakhtin, Serge Gruzinski u.a. entwickelt wurden.

Der Kurs wird in englischer und in deutscher Sprache stattfinden. Englische Lektürefähigkeit ist Teilnahmevoraussetzung, Lektürefähigkeit im Spanischen wird empfohlen.

Für den Kurs ist ein virtueller Raum bei der e-Learning-Plattform der Uni Erfurt eingerichtet, in dem aktuelle Informationen sowie der Kursreader zum Download zur Verfügung gestellt werden.
 



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